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Dr. Hans-Joachim Bormeister

GRÜNE LIGA trauert um großen Forstfachmann und Naturschützer

Dr. Hans-Joachim Bormeister in Zehdenick verstorben

Am 26. Dezember verstarb das Gründungsmitglied der GRÜNEN LIGA Oberhavel in seiner Heimatstadt Zehdenick im Alter von 86 Jahren.
Der gebürtige Templiner (16. Mai 1927) gehörte zweifellos zu den renommiertesten Naturschützern im Land Brandenburg. Noch 1944 wird der 17jährige zur Wehrmacht eingezogen und gerät in englische Kriegsgefangenschaft aus der er am 30. Dezember 1945 entlassen wird.
Er holte das abgebrochene Abitur nach und beginnt ein Studium an der Eberswalder forstwirtschaftlichen Fakultät der Humboldt Universität Berlin.
Nach dem Diplom begann er seine berufliche Laufbahn und promovierte 1963 über die „Vegetationsentwicklung nach Ackeraufforstung.“
Als ihm das Angebot ins Haus flatterte, eine kirchliche Forstverwaltung aufzubauen, zögerte er nicht. Von Hause aus ist er der Kirche verbunden gewesen, schon während der Studienzeit machte er sich als Vertrauensstudent der evangelischen Studiengemeinschaft einen Namen und bis vor wenigen Jahren war er im Gemeindekircherat und in der Kreissynode aktiv.
Hans-Joachim Bormeister begann 1957 seine Arbeit als Forstreferent im Sekretariat der evangelischen Kirche in der DDR. Das kirchliche Eigentum in der DDR wurde, z.B. durch die Bodenreform, nie vom Staat angerührt. Als kirchlicher Forstmann hatte er auch die Möglichkeit Fachveranstaltungen in Westeuropa zu besuchen und Fachliteratur aus dem „Westen“ zu bekommen. Sein Lebenscredo lautete: „Nur was ich kenne, schätze ich, was ich schätze, schütze ich.“
Bereits 1954 wird eine Ornithologische Gruppe in Zehdenick gegründet. Den späteren Vereinsgründern ist es zu Verdanken, dass die erste, von Kurt Kretschmann in Bad Freienwalde entwickelte, Naturschutzwanderausstellung auch in Zehdenick zu sehen war.
Vom 29. Juli bis zum 5. August 1951 (!) gastiert die Ausstellung im Rathaus der Stadt.
Bormeister gehörte zu den Mitbegründern der am 2. März 1962 in Zehdenick gegründeten Fachgruppe Ornithologie des Kulturbundes der DDR. Als erster Vorsitzender wurde Günter Hübner gewählt. Weitere wichtige Mitglieder waren die Familien Urbahn und Litzbarski. Bald schon wurde die Themenpalette der Gruppe mit der neuen Namensgebung Natur- und Heimatfreunde & Ornithologie erweitert. Nach dem Wegzug von Günter Hübner übernahm Dr. Bormeister die Gruppe und leitete sie über 40 Jahre lang! Diese Gruppe war anfangs die einzige Naturschutzgruppe im Altkreis Gransee für viele Jahre und diente dem Zusammenhalt und Erfahrungsaustausch naturschutzinteressierter Menschen. Wichtig waren auch die gemeinsamen Exkursionen, wie z.B. an die Müritz, den Odernationalpark oder zu den Ivenacker Eichen. Weiterhin wurden regelmäßig Vorträge organisiert.
Bereits zu DDR-Zeiten wurde er für seine langjährige, ehrenamtliche Kulturbundarbeit mit der „Johannes R. Becher Medaille“ in Silber ausgezeichnet.
Bereits vor der „Wendezeit“ wurde Dr. Bormeister zum Sprachrohr der Naturschutzbewegung, die mit der Gründung der Gesellschaft für Natur und Umwelt, weiterer Fachgruppen (Feldherpetologie, Umweltgruppe Löwenberg), kirchlicher Umweltgruppen und nicht zuletzt durch die Gründung der Naturschutzstation Woblitz im Kreis im Aufschwung begriffen war. Er konnte als Forst-, Jagd- und Naturschutzfachmann Dinge öffentlich machen, ihm schenkte man Gehör. Viele Zeitungsartikel, wie z.B. über den Biber, den Fischotter oder der Aufruf zur Erfassung von Kleinsäugern im Altkreis stammten aus seiner Feder. So entstand auch mein erster Kontakt zu ihm. Als 1986 der Pulverturm in Gransee von der Interessengemeinschaft Denkmalpflege gereinigt wurde, fanden wir eine meterdicke Schicht von Schleiereulengewölle. Es wurden Proben entnommen und Dr. Bormeister kümmerte sich darum, dass diese zum Institut für Naturschutz (IfN) nach Halle und zu Dr. Litzbarski nach Buckow geschickt wurden. Hieraus ergaben sich wichtige Artnachweise für die Region Gransee.
Als am 3. Januar 1990 in seiner Heimatstadt die Kreisgruppe der GRÜNEN LIGA gegründet wurde, gehörte Dr. Bormeister zu den Mitbegründern. Mit der Berufung eines Naturschutzbeirates durch den Landkreis Gransee, später Oberhavel, gehörte Dr. Bormeister diesem viele Jahre lang an.
Im Jahr 1992 endete seine Arbeit für die Kirchenforst nach 35 Dienstjahren. Die evangelische Forstverwaltung wurde danach aufgelöst, schließlich gab es so etwas nur in der DDR.
Fortan gehörte er zu den Mitbegründern der „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“ (SDW) in Brandenburg, gehörte viele Jahre dem Landes- und Bundesvorstand der SDW an und war deren Vertreter beim Deutschen Naturschutzring (DNR).
Am 5. März 1999 erhielt er vom damaligen Brandenburgischen Forstminister Gunter Fritsch das Bundesverdienstkreuz für sein Lebenswerk in der Eberswalder Forstakademie verliehen.
Dr. Bormeister war wohl der dienstälteste Naturschutzhelfer im Landkreis Oberhavel und nahm, solange es die Gesundheit zuließ, an den jährlich stattfindenden Naturschutzhelfertagungen teil.
Immer wieder mahnte er einen konsequenten Artenschutz an, verwies auf das Schicksal der Großtrappe im Kreis (die letzte Herde mit 12 Tieren verendete 1976 bei Bergsdorf, nachdem eine Hochspannungsleitung über deren Balzplatz gebaut wurde innerhalb eines Jahres), nannte die Zwergdommel die infolge einer ungebremsten Nutzung der Tonstichlandschaft in den letzten Jahren verschwand oder die Blauracke die in den 60iger Jahren noch bei Zehdenick vorkam. Er ist ein exzellenter Kenner von Flora und Fauna im Zehdenicker Umland gewesen.
Wir haben einen großen Forstexperten und Naturschutzfachmann verloren.

Norbert Wilke

 

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