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Der Fünffingerstein

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Land der fliegenden Steine – Findlinge im Altkreis Gransee (Teil 1)

Der Fünffingerstein – ein Stonehenge im märkischen Sand

Majestätisch thront er auf den Hellbergen bei Kraatz, eingebettet von einem Wäldchen auf einer großen Ackerfläche. Weit reicht der Blick in das Umland der Stadt Gransee. Der Schriftsteller Gotthold Gloger saß oft hier und genoss die Aussicht. Hier sah und malte er, nach eigenen Aussagen, die schönsten Wolken. Er musste es wissen denn er war ja weit gereist. Dies war der Fünffingerstein auch den die letzte Eiszeit aus Skandinavien hierher, in die Ablagerungen der Frankfurter Staffel der Weichseleiszeit vor 22.000 Jahren, brachte. Seine Reise begann in Schweden, wie die der meisten bei uns aufgefundenen Findlinge. Jungeiszeitliche Vorstöße aus dem Baltikum erreichten unseren Landkreis nicht mehr. Als das Eis ging besiedelten wieder Menschen das frei gewordene Land. Sie konnten sich die Herkunft riesiger Felsbrocken in dem eher hügeligen Land nicht erklären. Nur Riesen können diese Steine durch die Luft an ihren heutigen Lageort geschleudert haben und oft sah man auf den Steinen scheinbare Fingerabdrücke oder wie beim Fünffingerstein die Abdrücke einer ganzen Hand. Es müssen unruhige Zeiten gewesen sein als noch Riesen in den Bergen und Wäldern unserer Heimat hausten, allerorten flogen in den Sagen und Geschichten Felsen durch die Luft – es war das Land der fliegenden Steine. Werner Krause berichtet in seinem Buch „Sagen, Sitten und Bräuche des Kreises Gransee“ von zwei erhalten gebliebenen Sagen zum Fünffingerstein. „Dort, wo der Weg Strubensee – Meseberg die Baumgartener Heide verlässt, führt er über eine sich nordwärts zum Huwenowsee erstreckende Senke – die sogenannte Fischlaake. Von dieser schiebt sich nach Westen eine Bucht in die Baumgartener Heide hinein, die Lange Ecke genannt. Nun waren einmal hier am Waldrande bei der Langen Ecke zwei Arbeiter damit beschäftigt Bäume abzusägen. Da hörten sie jemand rufen: “Wo soll ik ihn laten? Wo soll ik ihn laten?“ Das war aber eine Riesin, die von Ruppin kam und einen Stein trug. Der eine der Arbeiter horchte auf und sagte: „Da kommt wohl jemand“. Da rief die Riesin wieder: „Wo soll ik ihn laten?“ Nun antwortete der andere Arbeiter ärgerlich: „Schmiet ihn dahin!“ Die Riesin warf nun den Stein fort. Der flog aber bis Kraatz, wo er heute noch liegt. Man kann noch heute den Abdruck der fünf Finger der Riesin auf ihm erkennen. So hat diese Geschichte einstmals vor Jahren ein Baumgartener erzählt. Diese Sage hat nun eine
Fortzetzung
Auf den Hellbergen bei Häsen wohnte in alten Zeiten auf seiner Burg ein Riese, welcher ein großer Feind des Christentums war. Als man das Kloster in Gransee baute, ward er so zornig, dass er einen großen Stein nahm und denselben in Richtung auf die Stadt warf. Der Stein fiel auf einem Hügel bei Kraatz nieder, welcher der Fünffingerberg heißt, und ist noch heute dort zu finden. Er hat eine Länge von 12 Fuß (1 Fuß = 31,38 cm) und ist 8-10 Fuß breit, während die Höhe – er liegt zum Teil in der Erde verborgen – wohl dieselbe Ausdehnung haben mag. Auf diesem Stein bemerkt man fünf Vertiefungen, welche von dem Eindruck einer Riesenhand herzurühren scheinen.“ Soweit Werner Krause, mir ist auch die Variante des Steinwurfes durch den Riesen auf die neugebaute Kirche in Gutengermendorf als Kind erzählt worden. Wenn man sich die vermeintliche Flugbahn des Steines ansieht, erscheint diese Variante als die Wahrscheinlichere. Fraglich bleibt auch der Umstand, dass eine Riesin nach einem ermüdenden Marsch von Neuruppin kommend den Stein wesentlich weiter geschleudert hat als ein wutentbrannter männlicher Riese dessen Wurf weit fehlte. Wir werden sie nicht mehr befragen können. Die Riesen haben unser Land vor Jahrhunderten verlassen da es für sie in unserer industrialisierten, an Mystik und Sagen verarmten Welt keinen Platz mehr gab. Der Fünffingerstein mit dem Fingerabdruck der Riesenhand ist geblieben. Er gehört mit Sicherheit zu den Steinen die schon seit Jahrtausenden am gleichen Ort liegen. Michael Mendler aus Fürstenberg hat hierzu eine sehr Interessantes zu berichten: „Am 21. Juni war es soweit – Sommersonnenwende. Aber das Wetter spielte nicht mit, der Himmel war mit Wolken verhangen bis in die Nacht. Ganz anders am nächsten Tag: Strahlender Sonnenschein sollte mein Vorhaben gelingen lassen. Noch vor Sonnenuntergang war ich wieder da. Würde das eintreffen, was ich hoffte? Würde die Sonne hinter dem Wartberge bei Gransee untergehen, der herausragenden Stelle am Horizont? Erst hielt ich es für kaum möglich, doch immer näher kam die Sonne dem Berg. Dann, kurz nach halb zehn abends, begann sie hinter ihm zu verschwinden, nicht ganz in der Mitte, ein wenig südlicher, aber das stand auch zu erwarten, denn die eigentliche Sonnenwende lag ja auf dem regnerischen Tage davor. Somit wurde dieser Sonnenuntergang für mich zu einem ganz besonderen Erlebnis. Jetzt war ich mir sicher und ein Zufall ausgeschlossen: Dieser tonnenschwere Stein (etwa 17 t) ist in der Jungsteinzeit genau an diese Stelle geschleppt worden. Man hatte damit einen dauerhaften und genauen Zeit- und Kalendermesser aufgestellt, wovon man die Tage abzählen konnte, etwa für die Aussaat oder Ernte. Das fällt also in die Zeit der Großsteingräber, die vor über 4.000 Jahren in Mecklenburg erbaut wurden, oder Stonehenge in England. Für die Umgebung von Kratz setzt dies allerdings vorFünffingerstein baus, dass der breite Hang nach Westen nicht von Wald bewachsen war und man lange genug von dort aus die Sonne beobachtet hatte.“ Soweit Michael Mendler.Der Fünffingerstein ist der einzige mir bekannte Findling über den es sogar ein Theaterstück gibt. „Die Granseer Puppen-kiste der Granseer Stadtbibliothek hat ein schönes Stück in 4 Szenen entworfen. Zwar kennen die Kinder viele Urlaubsorte aber kennen sie auch unsere Heimat? Im Theaterstück erzählt der Stein selbst die Geschichte vom letzten Riesen in denHellbergen der mit Findlingen Murmeln spielte. Das Grollen, welches beim murmeln entstand, versetzte einen armen Bauern und seine Kinder in Angst und sorgte in jedem Frühjahr für neue Steine auf den Ackerflächen, so dass sie beschlossen den Riesen zu suchen. Der packt gerade seine Sachen um wegzuziehen. Als Erinnerung an die Riesen wirft er den größten Stein auf den Fünffingerberg, so die Geschichte des Stückes welches in der Klostergalerie Zehdenick im Rahmen der Kulturwochen am 6. Februar 2008 aufgeführt wurde. Bis zum März diesen Jahres wurde das Stück noch 15 mal in verschiedenen Schulen im Amtsbereich Gransee bis zu den 4. Klassen mit Erfolg aufgeführt.“ Soweit Manuela Röhken und Irina Schulz von der Granseer Puppenkiste. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass der Fünffingerstein seit den 30ziger Jahren geschütztes Naturdenkmal ist. Der Schutzstatus wurde 1954 von der DDR-Gesetzgebung übernommen und am 29.01.1975 durch Beschluss des Rates des Bezirkes nochmals bestätigt. Der Stein blieb erhalten auch wenn Steinbrecher an ihm Spuren hinterließen. Vielleicht ließen die Riesen noch einmal von Fern die Erde erzittern um die Vandalen zu vertreiben. Sie ließen jedenfalls vom Fünffingerstein ab. Möge er auch in den künftigen Jahrhunderten als Zeitzeuge von der interessanten Geschichte unserer schönen Heimat künden.

Norbert Wilke
GRÜNE LIGA Oberhavel e.V.

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