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Hanna Schiemann ist verstorben – eine Frau von Welt die im Wald lebte

Wann ich Hanna Schiemann zum ersten Mal getroffen habe weis ich nicht mehr. Es könnte einer der ersten Umweltsonntage in Menz gewesen sein. Von 1977 bis 1980 war sie Bürgermeisterin der Stadt Rheinsberg, vorher schon Vorsitzende des Gemeindeverbandes Rheinsberg-Zechlin. Bereits zu dieser Zeit 2005-05_H.Schiemanngab es erste Kontakte zum Pfarramt in Menz, Hanna nutze die angeblich sichere Telefonleitung um mit Verwandten im „Westen“ zu telefonieren. Spätestens seit der Reaktorkatastrophe vom April 1986 gehörte auch sie zu den Kritikern des Kernkraftwerkes vor ihrer Tür. Hanna wohnte im kleinen Beerenbusch bei Rheinsberg, welches direkt an der Werksbahntrasse zum KKW lag. In diesen kleinen Ortssplitter hatte sie sich verliebt und war von Berlin hier in den Wald gezogen. Als im Mai 2001 der Castortransport aus dem KKW Rheinsberg nach Lubmin rollte, gehörte Hanna zu den entschiedenen Gegnern solcher Transporte. Selbstlos stellte sie ihr Grundstück in Beerenbusch den Antiatomgegnern als Lagerplatz zur Verfügung. Dafür nahm sie auch Überwachungen durch den Bundesgrenzschutz in Kauf, wochenlang waren Hubschrauber in der Luft um die Transportstrecke zu überwachen. Die Zahl der Aktiven war damals überschaubar, viele waren der Meinung – es kann nicht schaden, wenn die Brennstäbe nach Lubmin kommen. Nur, sicherer sind sie dort auch nicht untergebracht. Hanna war immer mit dabei, wenn die Kraftwerksleitung vor Ort über den Stand der Rückbauarbeiten informierte. Mit ihren kritischen Nachfragen legte sie oft den Finger in die Wunde des mit Problemen behafteten Rückbaus zur „grünen Wiese.“

Hanna gehörte von Anfang an zu den wirklich Aktiven gegen das Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide. Regelmäßig belieferte sie mich mit Plakaten, die ich dann wieder in Gransee verteilte. Bei fast keiner Wanderung fehlte sie, tagelang hatte sie im Vorfeld in den umliegenden Gemeinden Plakate verteilt und angebracht. Dabei störte es sie auch nicht, mehrfach von rechtsgerichteten Jugendlichen der Region belästigt worden zu sein. Damals waren längst nicht alle Anwohner gegen das Bombodrom. Weh taten ihr ungerechtfertigte Kritiken und Unverständnis aus Reihen ihrer Mitstreiter. Der BI FREIe HEIDe hielt sie bis zum endgültigen Verzicht der Bundeswehr auf das Gelände, wenn auch nicht mehr im Vorstand, die Treue. Schön das sie diesen riesigen Erfolg, auch ihrer Arbeit für die Heide, noch erleben durfte.

Als im Januar 1994 in Menz der Fördeverein „Naturlandschaft Stechlin und Menzer Heide“ e.V. gegründet wurde, gehörte Hanna selbstverständlich zu den Mitbegründern. Sie war ein fester Bestandteil des Naturschutzes in der Stechlinseeregion geworden. Im Jahr 1999 eröffnete das Naturparkhaus in Menz, im Sommer 2001 wurde der Naturpark feierlich eröffnet. Hanna war immer dabei. Durch die Mitgliedschaft im kirchlichen Umweltkreis Menz war sie auch Mitglied der GRÜNEN LIGA Oberhavel, oft nahm sie an den jährlichen Mitgliederversammlungen in Gransee teil.

Am 8. Januar konnte Hanna ihren 83. Geburtstag feiern. Am 10. Juli ist sie verstorben. Ihr Tod ist ein großer Verlust für den Naturschutz in der Region.

Norbert Wilke

 

 

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