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 Mehlsens Ruh

 

 


Im Land der fliegenden Steine – Mehlsens Ruh bei Seilershof (Teil 8)


„Auf einer Anhöhe dicht westlich der Chaussee Gransee – Fischerwall, und zwar zwischen Forsthaus Eichholz und Fischerwall, Jagen 22, etwa 15 Schritt nördlich des die Mitte der Forst in ost-westlicher Richtung durchlaufenden Hauptgestelles, findet sich eine Stelle, die bei dem Volke Mehlens Ruh genannt wird. Den Namen hat dieselbe nach dem früheren Besitzer eines der nach Lüdersdorf zu liegenden Ausbauten, namens Mehls. Zu Mehlsens Ruh führt von der Chaussee eine schmale Steintreppe hinauf. Hier befindet sich eine auffallende Steinsetzung aus Findlingsblöcken. Die Anlage bildet ein Rechteck, das in seiner Länge mit etwa 4,30 m von Nord nach Süd verläuft, während die Breite etwa 2,40 m beträgt. Die westliche Langseite besteht aus sieben Blöcken, von denen der südlichste Sprengbohrungen aufweist und demnach von einem größeren Block abgesprengt sein muss. Da der östlich von diesem auf der südlichen Schmalseite liegende Block gleichfalls Sprengbohrung zeigt, gehörten beide Blöcke vielleicht zusammen. Innerhalb des Rechtecks liegen nun zwei große auf der Oberflächenseite glatt und ebene Steinplatten. Unter der nördlichen Platte liegt auf der Ostseite ein Steinblock als Stütze für die hier schräg nach oben gehende Platte. Diese ganze Anlage macht einen so eigenartigen Eindruck, dass es schwer fällt, daran zu glauben, sie verdanke ihre Entstehung allein einem seltsamen Einfall von Mehls, sich hier, noch dazu nicht auf seinem Besitz sondern mitten in der Staatsforst, einen besonderen Ruheplatz zu schaffen, bei dem außerdem noch jede nur einigermaßen bequeme Sitzgelegenheit fehlt. Wahrscheinlich scheint es, dass die ganze Anlage irgendwie mit dem Bau der Chaussee von Berlin nach Neustrelitz, der um 1838/1839 erfolgte, zusammenhängt oder bei dieser Gelegenheit entstanden ist. In den Flurnamen findet sich unter Lüdersdorf folgende auf diese Stelle bezügliche Mitteilung: „In dem Forstrevier Eichholz erhebt sich dicht an der Chaussee Mehlsens Ruh als eine sehr in die Augen springende Örtlichkeit. Steinerne Stufen führen dazu empor, Steine liegen oben, von denen der größte in der Mitte den Tisch vorstellt, während die anderen die um ihn herum geordnet sind, als Sitzplätze anzusehen sind. Fremde halten diese für eine altheidnische Opferstätte, und doch ist sie ein Erzeugnis jüngster Zeit. Beim Bau der Chaussee hat der Vorarbeiter Mehls dieses Fleckchen für sich und seine Mitarbeiter geschaffen. Hier nahmen sie ihre Mahlzeiten ein und pflegten der Ruhe; hier versammelten sie sich auch zum Lohnempfang.“ Wie leicht sich um solche auffallenden Punkte Sagen weben, beweist der Umstand, dass hin und wieder behauptet wird, dass Mehls hier auch zur letzten Ruhe gebettet sei, während sich sein Grab tatsächlich auf dem Friedhof zu Lüdersdorf befindet.“ Nun findet sich in dem Ledeburschen Verzeichnis der Altertümer des Regierungsbezirkes Potsdam unter Gransee folgende Angabe: „Auf der Feldmark stießen beim Bau der Chaussee nach Oranienburg 1838 die Arbeiter auf einen mächtigen Feldstein , der an seinen vier Ecken von anderen vier Feldsteinen gleichsam wie auf Pfeilern getragen wurde und einen hohlen Raum bot. Innerhalb diesen Raumes fanden sich außer einigen alten Graburnen mehrere Streitäxte und Keile von Granit und Feuerstein, die der Stadtrichter Fitzau 1839 dem Museum verehrte. Die Steine wurden gesprengt und zum Bau der Kunststraße verwendet, die Urnen von den Arbeitern, in der Hoffnung, Geld zu finden, zertrümmert.“ Die Steingeräte von hier befinden sich im staatlichen Museum in Berlin unter Kat. Nr. II, 2153/56. Von denselben ist das unter 2153 als Streitaxt von Grauwacke aufgeführte Gerät abhanden gekommen. Es ist also hier ein steinzeitliches Grab dem Straßenbau zum Opfer gefallen. Nun macht die ganze Anlage von Mehlsens Ruh den Eindruck eines auseinander genommenen und etwas willkürlich, aber doch im Sinne der ursprünglichen Anlage wieder aufgestellten steinzeitlichen Grabes, wobei man die Decksteine in der Mitte zwischen den Tragsteinen auf den Boden legte. Der Verdacht ist somit begründet, zumal die Stelle unfern von Gransee liegt, dass es sich hier um das von Ledebur erwähnte Grab handeln könne, das seiner völligen Zerstörung durch Eingreifen eines Altertumfreundes, vielleicht Mehlsens, entging, und der Bericht somit irrt wenn er sagt die Steine seien zum Chausseebau verwendet, was wohl Anfangs auch beabsichtigt war. Da auch nach Ledebur die Grabsteine teilweise gesprengt wurden steht das Vorkommen von Sprengbohrungen an den Steinen mit den Berichten im Einklang. Da die Chaussee ferner nicht der alten Landstraße folgt, diese vielmehr weiter westlich zwischen Chaussee und Bahndamm lief, dort konnten beim Durchschneiden der bisher unberührten Anhöhe das Grab gefunden werden, dessen Steine nun in unmittelbarer Nähe der Fundstelle neben der Chaussee wieder aufgestellt wurden.“ Soweit der ausführliche Bericht der „Ruppiner Heimatblätter“ aus den 30ziger Jahren zu der seltsamen SteSeilershof-Ziethensteineinanlage welche ihrer völligen Zerstörung entging und 1938 als Naturdenkmal unter Schutz gestellt wurde. Heute ist der Name Mehlsens Ruh selbst bei den Älteren fast gänzlich unbekannt. Dabei befindet sich auf dem Friedhof an der Kirche in Altlüdersdorf noch ein Grab der Familie Mehls. Hierbei handelt es sich sicher um Nachfahren des Vorarbeiters. Die GRÜNE LIGA möchte in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden Mehlsens Ruh wieder als Naturdenkmal kenntlich und begehbar machen. Es wäre schade, wenn die interessante Geschichte eines der wenigen ehemaligen Hünengräber im Altkreis Gransee nicht für die Nachwelt erhalten bliebe.

Norbert Wilke
GRÜNE LIGA Oberhavel

 

 

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